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Newsflash

(…)bevor der Graf hinzusprang und den Angreifer von hinten packte, sodass Ida sich vom Boden erheben konnte.

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Die Weltreisen der Ida Pfeiffer

Die 1797 in Wien geborene Ida Pfeiffer war 44 Jahre alt, als sie allein und ohne grössere finanzielle Mittel zu ihren Weltreisen aufbrach.

 

Ihr Kapital: persönlicher Mut, Hartnäckigkeit, eine gute Beobachtungsgabe und Verfassen von Reisebüchern. Sie nahm unglaubliche Strapazen auf sich in tropischen Urwäldern, Wüsten, schier unüberwindbaren Gebirgen und reiste auf primitiven Segelschiffen, zu Ross, auf Eseln und Karren

oder zu Fuss.

Die Reisen führten diese mutige Frau ins Heilige Land, nach Island, Indien, Persien, China, Indonesien, nach Nord-und Südamerika. Wollen wir mit ihr Südamerika betrachten, wohin sie ihre erste Weltreise von Mai 1846 bis Anfang November 1848 brachte.
Kaum zuhause, trieb sie es erneut in die Ferne. Von Hamburg fuhr sie Ende Juni, zusammen mit dem Grafen Berchthold, auf der dänischen Brigg ‚Caroline’ nach Brasilien.

Im Gegensatz zu einem Dampfschiff war das Segelschiff, das zweieinhalb Monate für die Überfahrt brauchte, nicht für die Bequemlichkeit der Passagiere, sondern zur Beförderung von Waren gedacht.
Das bedeutete beschränkte Räumlichkeiten, bescheidene Kost und Abhängigkeit von den Launen des Kapitäns. Solcherlei Erfahrungen hatte sie bereits gesammelt.

Brasilien

Am 16.September liefen sie in den Hafen von Rio de Janeiro, der Hauptstadt des seit 1822 unabhängigen Kaiserreichs Brasilien, ein. Die Besucherin fand dort durchaus nichts Anziehendes. Da es an Entwässerungsgräben fehlte, pflegten starke Regengüsse die Strassen unter Wasser zu setzen, sodass Fussgänger sich von Schwarzen hinübertragen liessen. Jeder Verkehr hörte auf, das Gesellschaftsleben stagnierte, ja selbst Wechsel wurden an solchen Tagen nicht eingelöst.

Sie sah viel Schmutz und Hässlichkeit, und das Angebot an Waren höherer Qualität war nicht mit dem europäischer Städte zu vergleichen.

Am wenigsten gefielen ihr die Menschen, diese Schwarzen (…)Halbnackt liefen sie herum, in elenden Lumpen oder in abgetragenen Kleidern ihrer Herren. Entsetzt war sie über die Krankheiten und Gebrechen, die sie sah, die Augenleiden und die Elephantiasis, ja selbst Hunde und Katzen fand sie schäbig und voller Wunden. Erst nach einiger Zeit stellte sich eine gewisse Gewöhnung ein, und sie entdeckte selbst unter den jungen schwarzen Frauen ‚artige Gestalten’ und an den etwas dunkel gefärbten Brasilianerinnen und Portugiesinnen hübsche, ausdrucksvolle Gesichter.

Bei all diesen gefühlsmässigen Empfindungen versuchte sie doch, den Schwarzen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Zwar meinte auch sie, dass sie nicht die geistige Bildung wie die Weissen hätten, sich aber nicht, wie oft behauptet wurde, auf der Stufe des Übergangs von der Affen- zur Menschengestalt befänden. Man verwehre ihnen doch jeden Schulunterricht, lasse sie absichtlich in diesem Zustand, und sie prophezeite, dass das Erwachen dieses Volkes, das viermal so zahlreich war wie die Weissen, fürchterlich sein werde. (…) Sie schränkte diese Bemerkungen ein (…) und meinte, sie wolle einfach ihre Anschauungen darlegen.

Wer meine, sie sei aus Eitelkeit unterwegs, der möge selbst einmal eine ähnliche Reise unternehmen, dann könne er sehen, dass ‚solche Beschwerden, solche Entbehrungen und Gefahren nur durch angeborene Reiselust, durch unbegrenzte Wissbegierde überwunden werden können.

Die Sklaven beschäftigten sie ja in vielen Ländern, so auch hier, wo sie offiziell nicht ins Land gebracht werden durften, aber viele Tausende eingeschmuggelt wurden. Ihr Los erschien ihr doch weniger schlecht als das der russischen, polnischen oder ägyptischen Bauern, die man nicht Sklaven nannte. Nur wenn die hiesigen entliefen, dann gab es harte Strafen.

Immer stellte sie Vergleiche an mit dem, was sie gelesen hatte, so auch bezüglich der üppigen Natur, des ewig lachenden Himmels, des immer währenden Frühlings. Die Vegetation ist reich, stellte sie fest, doch solle man nicht glauben, dass deshalb alles schön und gut ist.

Sie litt unter der Feuchtigkeit und Hitze und vor allem unter den Insekten, verbrachte ganze Nächte sitzend im Kampf mit den Moskitos. Die Lebensmittel wurden von Kakerlaken und grossen Ameisenschwärmen angegriffen, Kleider und Wäsche musste man in Blechkästen vor ihnen sichern.
Und die Sandflöhe! Sie setzten sich unter Fusssohlen und –nägel und ohne die Hilfe eines Schwarzen, der es verstand, den Springer samt seinen Eiern aus der Haut zu entfernen, war man ziemlich verloren.

Zwar hielt sie Brasilien für das vielleicht interessanteste Reiseland der Welt, leben aber mochte sie da nicht, denn auch gegenüber den Weissen hatte sie kaum Gefühle der Sympathie, rügte ihre Sucht nach Gewinn, ihren Mangel an Moral und guten Sitten und auch an Religion. Die Prozessionen, Gebete und Kirchenfeste in diesem durch und durch katholischen Land dienten doch nur zur Unterhaltung!

An Leute, die nach Brasilien auswandern wollten, richtete sie eine leidenschaftliche Warnung. Schon bei der Überfahrt werde ihnen ihr kleines Vermögen genommen. Wenn sie von der Regierung nicht eingeladen worden seien, bekämen sie keine Unterstützung, ohne Geld keine Ländereien, niemand nehme Europäer als Plantagenarbeiter, weil sie das Klima nicht vertrügen, sodass sie als Bettler in den Strassen endeten. Jene, die als Kolonisten von der Regierung gerufen würden, bekämen zwar ein Stück Wald zum Roden, Lebensmittel und andere Unterstützungen, aber ohne Geld kämen auch sie nicht weit.

Nur wenige mit eiserner Gesundheit und enormem Fleiss können sich eine Existenz schaffen. Am besten fänden sich noch Handwerker zurecht, da aber ihrer zu viele kämen und immer mehr Schwarze ihren Platz einnähmen, hätten auch sie nicht die besten Aussichten. Sie riet jedem Auswanderungswilligen, sich genau zu informieren, und zwar vorher, ‚die Enttäuschung ist umso fürchterlicher, da sie erst erfolgt, wenn es zu spät ist.’ Auch andere Autoren jener Zeit haben die Verhältnisse so geschildert.

Zusammen mit dem Grafen Berchthold hatte Ida Pfeiffer die Möglichkeit, eine solche junge Auswanderersiedlung zu besuchen: die von Deutschen angelegte Kolonie Petropolis.

Sie fuhren mit einer Barke nach dem 37km entfernten Porto d’Estrella, und für den Rest von gut 5 Kilometern, den man ihnen als schönen Spaziergang geschildert hatte, machten sie sich zu Fuss auf den Weg. Als sie ein breites Tal mit üppiger Vegetation, mit wilden Ananaspflanzen und umherschwirrenden Kolibris durchquert hatten, führte zwischen dichtem Urwald eine breite, gepflasterte Strasse bergan. Die beiden fanden eine Fülle von Pflanzen und Insekten, und da sie öfter Leute trafen, dachten sie nicht an Gefahr und achteten nicht darauf, dass ein Schwarzer ständig hinter ihnen herging.

Plötzlich, an einer einsamen Stelle, fiel dieser, in einer Hand ein langes Messer, in der anderen ein Lasso, über sie her und gab ihnen zu verstehen, dass er sie ermorden und in den Wald schleppen wolle. Völlig überrascht und auch unbewaffnet, man hatte ihnen den Weg ja als gefahrlos geschildert, versuchten beide, mit ihren Sonnenschirmen die Messerstiche abzuwehren, doch diese unvollkommenen Waffen hielten nicht lange.

Auch bekam der Mann den von Pfeiffer zu fassen, konnte ihn ihr aber nicht entwinden, bis der Griff abbrach (den sie später zuhause als Trophäe aufbewahrte). Dabei fiel sein Messer zu Boden, das sie zu ergreifen versuchte, doch er war schneller, stiess sie hinweg, packte es, schwang es über ihren Kopf und brachte ihr einen Stich und einen tiefen Schnitt in den linken Oberarm bei. Nun gab ihr die Verzweiflung den Mut, ihr Taschenmesser, das sie als einzige Waffe gleich zu Anfang hervorgezogen und geöffnet hatte, in seine Brust zu stossen, doch sie traf nicht, brachte ihm aber eine ordentliche Wunde an der Hand bei. All das hatte sich in wenigen Augenblicken abgespielt (…)

(Fortsetzung folgt)

 

 
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